Wirtschaftscrash in Venezuela


Amerika Redaktion

Wenn Sie diesen Beitrag lesen, kommt es in Venezuela in der Versorgung mit nahezu sämtlichen vorstellbaren Produkten zu heftigen Notlagen. Nahrungsgüter, Klopapier, Medikamente, Strom und sogar Coca-Cola sind Mangelware.

(endoftheamericandream.com) Im gesamten Staatsgebiet entstehen vor den Geschäften lange Schlangen von Leuten, die häufig einige Stunden durchhalten müssen und hoffen, dass sie dann am Schluss viele Nahrungsgüter erwerben können, um die hungrige Familie satt zu kriegen. Und wenn es dann doch nichts zu erwerben gibt, obwohl die Menschen so lange ausgeharrt haben, kommt es in einigen Fällen zu wahrlichen Krawallen. Diese Zuspitzung der sozialen Situation ist eingetroffen, ohne dass sich Venezuela in einem bewaffneten Konflikt befände oder sich eine heftige Naturkatastrophe oder ein heftiger Terrorakt zugetragen hätte.

Es kam auch nicht zu einem Elektromagnetischen Puls oder einem anderen unvermuteten, aber nicht generell zu ignorierenden Geschehnis, einem allgemein so bezeichneten „Schwarzen Schwan“. Welche Konsequenzen es haben kann, wenn die Kreditkrise aus dem Ruder läuft, Währungsmanipulationen ausufern und die Intervention der Führung in das Leben ihrer Bürger ein unbeschreibliches Ausmaß erreicht, beweisen die aktuellen Vorgänge in Venezuela. Die folgenden acht Lehren können wir aus der gegenwärtigen Crashkrise in dem südamerikanischen Staatsgebiet ziehen:

1. Im Falle einer ökonomischen Crashkrise kann es äußerst schnell zu heftigen Notlagen bei der Versorgung der Allgemeinheit mit essenzielle Produkten des täglichen Bedarfs kommen: „‚In bestimmter Hinsicht ist so gut wie alles zur Mangelware geworden‘, sagte Ricardo Cusanno, Vizepräsident der venezolanischen Handelskammer. Nach seinen Informationen haben 85 % der Konzerne in Venezuela ihre Produktion teilweise eingestellt.“ Selbst Coca-Cola musste die Produktion einstellen, da Zucker nicht mehr in hinreichender Menge geliefert werden konnte.

2. Wenn man keine Nahrungsgüter als Rücklage für schlechte Zeiten angesammelt hat, wird der Speiseplan im Falle eines größeren Problems rasch auf einfache Gerichte beschränkt. Die Los Angeles Times berichtete vor Kurzem über die mühsame Situation der 42-jährigen alleinerziehenden Maria Linares aus Venezuela. Sie schilderte, ihre Familie habe seit vergangenem Dezember kein Hähnchenfleisch mehr gegessen: „Im Dezember musste sie die Hälfte ihres Lohnes für Nahrungsgüter verwenden. Heute werden praktisch ihre gesamten Einnahmen für die Versorgung ihrer beiden Kinder verbraucht. Die spärlichen Speisen setzen sich zusammen aus Maniok (auch unter der Definition Cassava oder Yuca bekannt), Eiern und Maisfladen, die Arepas genannt und mit Butter und Kochbananen kredenzt werden. ‚Im Dezember haben wir zum letzten Mal Hähnchen gegessen‘, berichtet sie. Die günstigsten Angebote sind zum aktuellen Zeitpunkt in von der Führung betriebenen Geschäften wie Mercal und Bicentario zu erhalten, in denen die Preise reguliert werden. Um dort einzukaufen, so Linares weiter, muss sie sich schon in der Nacht in die Schlange vor dem Geschäft einreihen. Aber sogar dann kann es vorkommen, dass sie mit leeren Händen nach Hause kommt, da alles ausverkauft war, bevor sie an die Reihe kam – oder da sie ausgeraubt wurde, nachdem sie den Laden verlassen hatte.“

3. Wenn Menschen Hunger leiden, wächst die Verzweiflung. Und verzweifelte Menschen neigen dazu, auch zu ungewöhnlichen „Lebensmitteln“ zu greifen, um den Hunger zu stillen. Kürzlich wurde tatsächlich berichtet, dass viele Menschen in Venezuela so verzweifelt sind, dass sie Hunde und Katzen jagen, um sie hinterher zu verspeisen. Können Sie sich vorstellen, so etwas zu tun? Ich könnte nicht so handeln, aber ähnlich wie in Venezuela gibt es auch in den Vereinigten Staaten von Amerika Menschen, die alles essen würden, was ihnen in die Hände fällt, wenn sie Hunger leiden und ihre Kinder weinen, da sie nichts zu essen haben.

4. Wenn eine Volkswirtschaft kollabiert, werden nicht nur Nahrungsgüter zur Mangelware. In dieser Woche berichteten unterschiedliche Massenmedien, dass es in Venezuela zu heftigen Notlagen bei der Versorgung mit Hygieneartikeln kommt: „Im gesamten Staatsgebiet wird das Angebot an Hygieneartikeln knapp. Einige Venezolaner berichten, dass Menschen in langen Schlangen einige Stunden warten, um elementare Hygieneartikel erwerben zu können, die sie dann für einen äußerst viel höheren Preis auf dem Schwarzmarkt weiterverkaufen. Bloomberg meldete im letzten Jahr, der karibische Inselstaat Trinidad und Tobago habe Venezuela einen Tauschhandel von Klopapier für Rohöl offeriert. Es sei unklar, ob es zu diesem Tausch gekommen sei. Kondome und andere Verhütungsmittel sind fast nicht mehr aufzutreiben, beschreiben zahlreiche Venezolaner. Das Gleiche gelte auch für Zahnpasta, Seife, Klopapier oder Haarshampoo. Und [Staatspräsident] Maduro fordert die Frauen auf, keine Haartrockner mehr zu verwenden.“ Wie sähe Ihr Leben aus, wenn Ihnen keine Zahnpasta, Seife, Klopapier oder Shampoo mehr zur Verfügung stünden? Wenn Sie auf diese Utensilien auch in Zukunft nicht verzichten möchten, sollten Sie möglicherweise nun damit anfangen, einen entsprechenden Vorrat anzulegen.

5. Unter den Bedingungen einer kollabierenden Volkswirtschaft können Sie von Glück reden, wenn Ihnen medizinische Hilfe zuteilwird, wenn Sie sie brauchen. Erkrankte Venezolaner stehen zum aktuellen Zeitpunkt vor heftigen Problemen, berichtete die britische Tageszeitung Daily Mail: „Das Luis-Razetti-Krankenhaus in der venezolanischen Hafenstadt Puerto la Cruz macht den Eindruck, als befände es sich inmitten eines Kriegsgebietes. Man sieht Patienten, die sich krampfhaft bemühen, in ihren halb zerbrochenen Betten das Gleichgewicht zu halten. Einige von ihnen weisen Spuren tagealten Blutes auf ihren Leibern auf. Und sie sind noch zufrieden zu nennen: Die meisten Patienten liegen einfach blutüberströmt und mit schwarz verfärbten Gliedmaßen auf dem Boden. Kinder liegen zwischen verschmutzten Pappkartons in den Gängen, ohne Nahrungmittel, Wasser oder medizinische Versorgung. Das Pflegepersonal und die Ärzte müssen improvisieren, da der Strom immer wieder ausfällt oder die Geräte nicht funktionieren. Bei zwei Männern, die sich Beinoperationen unterziehen mussten, wurden die Körperteile behelfsmäßig mit Haltesystemen unter Zuhilfenahme von Wasserflaschen als Gewichte fixiert.“

6. Kommt es zu einem Währungscrash, gewinnt der Besitz von Edelmetallen wie Gold oder Silber äußerst große Bedeutung. Dies gilt nicht nur für einzelne Menschen oder Gemeinschaften, sondern auch für ganze Staaten. Venezuela musste in der zum aktuellen Zeitpunkt tobenden Krise schon Gold im Wert von 2,3 Milliarden Dollar in die Schweiz schaffen, da die Bankiers die venezolanische Fiatwährung, den Venezolanischen Bolivar, nicht länger als Geld akzeptieren: „Der Führung Venezuelas gehen nach und nach die Währungsrücklagen aus, und sie muss im wahrsten Sinne des Wortes Gold einsetzen, um ihre Schulden zu bedienen. Im März verfügte Venezuela laut den aktuellsten Zahlen der Notenbank nur noch über Währungsrücklagen i.H.v. 12,1 Milliarden Dollar. Damit sind die Rücklagen gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte geschrumpft. Um überhaupt noch Kassendarlehen zu kriegen, musste Venezuela dieses Jahr schon Gold im Wert von 2,3 Milliarden Dollar als Pfand in die Schweiz verschiffen. Das zeigen Zahlen der schweizerischen Führung über die Einfuhren.“

7. In schweren Finanzkrisen steigt die Kriminalitätsrate massiv an. Wie ich schon an anderer Stelle vorgeführt habe, kam es allein im ersten Vierteljahr 2016 in Venezuela zu 107 schweren oder versuchten Plünderungen durch größere Organisationen von Leuten. Und in den letzten Monaten hat sich die Situation noch weiter verschärft. Aber auch in den amerikanischen Metropolen steigen die Verbrechenszahlen weiter an. Nach Informationen der Website Breitbart kamen allein in Chicago am Wochenende des Memorial Day, der immer am letzten Montag im Mai zu Ehren der im Krieg Gefallenen begangenen wird, 55 Menschen durch Schusswaffengebrauch ums Leben – die höchsten Opferzahlen, die bisher an einem Wochenende zu verzeichnen waren. In Chicago sind seit Beginn des Jahres zusammengerechnet bereits mehr als 1500 Menschen erschossen worden. Und die Polizei befürchtete dieses Jahr einen äußerst turbulenten Sommer.

8. Dieser Punkt betrifft vielleicht die umstrittenste Lehre in dieser Liste. Manchmal ist einen großen Schock vonnöten, um eine Gesellschaft wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Selbstverständlich möchte keiner von sich aus einen derartigen Schock durchleben müssen, aber letztlich kann sie zu äußerst erfreulichen Resultaten führen – so passiert in der venezolanischen Hauptstadt Caracas: „Vor Kurzem riefen die Kirchen der Hauptstadt Caracas zu einem „Gebets-Spaziergang“ auf. Tausende folgten der Aufforderung und versammelten sich in den Hauptstraßen der Stadt und beteten zu Gott, er solle ihre Not beenden. Unter dem Motto ‚Ich bete für mein Land‘ zogen viele Christen durch die Stadt, beteten für die Einheit der Kirche und zu Gott, damit er die Notsituation ihres Landes endlich stoppe.“ Wird auch in den Vereinigten Staaten ein ähnlicher Schock vonnöten sein, um Amerika zum Niederknien zu bewegen? Was wird notwendig sein, damit es auch in den Vereinigten Staaten zu einem ausgiebigen Schock kommt, die uns aufwachen lässt und uns wieder auf den rechten Weg bringt?

Jene, die meine Arbeit seit Längerem verfolgen, wissen, dass ich fest der Meinung bin, den Vereinigten Staaten stehe ein heftiger Schock bevor. Dieser Schock wird noch äußerst viel stärker ausfallen, als das, was Venezuela zu diesem Zeitpunkt durchlebt, und wird die Vereinigten Staaten bis in ihre Grundfesten erschüttern. Aber es könnte sich erweisen, dass ein derart heftiger Schock genau das ist, was die Vereinigten Staaten momentan brauchen, denn ich bezweifele, dass es ohne einen derartigen Schock zu einem allgemein verbreiteten Aufwachen in den Vereinigten Staaten von Amerika kommen würde.