US-Notenbankchef: „Es wird keinen Goldstandard mehr geben“


Edelmetalle Redaktion

Der Chef der US-Notenbank Ben Bernanke hielt einen Vortrag an der George Washington University zu den Ursprüngen der Federal Reserve. Dabei ging er auf das beliebteste Edelmetall der Menschen ein: Gold. Das über Jahrhunderte wertstabile Metall eigne sich aus verschiedenen Gründen heutzutage nicht mehr als Zahlungsmittel, so der Notenbank-Chef. Dass der Dollar seit Gründung der Federal Reserve im Jahr 1913 bis heute etwa 98% an Kaufkraft verloren hat, blieb jedoch unerwähnt. 

„In einem Goldstandard müssen Sie nach Südafrika gehen und nach Gold graben, um es dann in einem New Yorker Keller einzubunkern. Absolut unsinnig“, sagte Bernanke. Der Goldstandard verknüpfe die Währungen untereinander, was die Regierungen voneinander abhängig mache. Etwa wenn das Vereinigte Königreich das Pfund an das Gold binde, ebenso wie die Vereinigten Staaten, dann wäre das Pfund/Dollar-Verhältnis fixiert.

Die Folge wäre eine Deflation und Schulden seien schwer zu bedienen. So käme das Wort „goldene Kreuz“ von Bauern, die seinerzeit ihre Schulden in Gold fixiert hatten und daran zugrunde gegangen waren. Der Goldstandard führe tendenziell dazu, dass die Zinsen in schlechten Zeiten ansteigen und in guten Zeiten fallen – genau das Gegenteil von dem, was eine gute Geldpolitik ausmache, so Bernanke. Die Wirtschaft sei unter dem Goldstandard wesentlich volatiler gewesen als heute.

Bernanke betonte, dass er zwar die lange Geschichte des Goldes anerkenne, doch stellte er fest, dass die Welt nie wieder zu einem Goldstandard zurückkehren werde. Die Unterstützung für einen Goldstandard fuße heute auf zwei Dingen: Den Wert des Dollars stabil zu halten und der Zentralbank Macht zu entziehen. Es gebe jedoch geldpolitisch keinerlei Gründe, heute zu einem Goldstandard zurückzukehren.

Der Fed-Chef wies darauf hin, dass es „nicht genug Gold“ gebe, um die heutige globale Wirtschaft aufrecht zu erhalten. Denn erstens sei die Förderung von Gold kostspielig und unsicher. Es gebe eine begrenzte Menge an Gold in der Welt, und es mache einfach keinen Sinn in der modernen Welt, dass Zentral- und Geschäftsbanken große Mengen Gold in den Tresoren bunkern. Das Metall sei zudem „unpraktisch“ und könne mit dem heutigen Tempo des globalen Handels nicht mehr mithalten. Die begrenzte Goldmenge könne kurzfristig sehr starke Preisschwankungen verursachen, unabhängig von der langfristigen Preisstabilität.

Der Goldstandard habe die Große Depression der 1930er Jahre verschlimmert, bzw. sei der Goldstandard einer der Hauptgründe für den schrecklichen Verlauf der Depression dieser Zeit gewesen. Damals seien Länder, die nicht an den Goldstandard gebunden waren, viel leichter aus der Depression herausgekommen, fügte er hinzu. Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges habe der Goldstandard ohnehin nicht mehr richtig funktioniert.

Hier ein Auszug des Vortrags.