Umfrage: Europäische Union spaltet Europa


Europa Redaktion

Jedenfalls dieser Trend vereint: Die Briten sind mit ihren Brexit-Gedanken im Okzident nicht alleine. Immer mehr Europäer gestehen Zweifel an einer kollektiven Zukunft. Die Europäische Union wirkt auf zahlreiche Einwohner abstoßend. Die Kritik gegenüber der Europäischen Union und einer kollektiven europäischen Zukunft wird in den Teilnehmerstaaten immer kräftiger.

Kurz vor der Wahl Großbritanniens über einen Weggang aus der Europäischen Union (Brexit) am 23. Juni steigen auch in weiteren europäischen Staaten die Zweifel an einer immer kräftigeren Integration der Vereinigung. Nach einer neuen Umfrage des amerikanischen Pew Research Center lehnen die meisten Einwohner aus zehn ausgesuchten EU-Staaten die Formel „mehr Europa“ ab. In Deutschland fordern 43 % der Befragten, dass Befugnisse von Brüssel an die staatlichen Parlamente zurückgeholt werden sollten.

Weitere 25 % wollen am Ist-Zustand nichts ändern. Am größten ist die Kritik einer „ever closer union“ in Griechenland und Großbritannien. Unterm Strich hat mittlerweile nahezu 50 Prozent der Europäer eine schlechte Auffassung über die Europäische Union. „Die Briten sind nicht die einzigen, die an der EU zweifeln“, schreiben die Pew-Meinungsforscher. Blickt man auf die Betrachtungsweisen der Europäer über einen längeren Zeitabschnitt, ist die Zustimmung zur Europäischen Union nach manchem Auf und Nieder in nahezu sämtlichen Staaten seit 2004 gefallen.

Vornehmlich pro-europäisch sind die Polen, von denen noch immer 72 % eine bejahende Auffassung über die Europäische Union haben. Bei den Deutschen ist es nur noch 50 Prozent der Einwohner (2004: 58 %) und in Griechenland sind sogar nur noch 27 %. In Frankreich und Spanien ist die Zustimmung zur Europäischen Union sogar zweistellig zurückgegangen. Dabei gilt zusammengerechnet, dass junge Menschen der Europäischen Union merklich freundlicher gegenüberstehen als ältere. Politisch lässt sich die Gesinnung zu Europa schon lange nicht mehr in das Rechts-Links-Muster eingliedern.

Während beispielsweise die Europaskeptiker im Vereinigten Königreich und Deutschland eher auf der rechten Seite des politischen Lagers zu sehen sind, ist in Staaten wie Spanien die Ungläubigkeit links von der politischen Mitte größer. Enttäuscht sind die Menschen vor allen Dingen mit der Herangehensweise, wie Europa die derzeitige Flüchtlingskrise regelt. „In jedem der befragten Staaten hält eine große Mehrheit der Bürgern das Krisenmanagement für mangelhaft“, schreiben die Demoskopen.

Vergleichbar groß die Klagen nur noch über die Wirtschaftspolitik im Okzident. Neun von zehn Griechen sind damit nicht einverstanden. In Frankreich, Italien und Spanien sind immerhin zwei Drittel der Einwohner der Auffassung, dass die Europäische Union wirtschaftspolitisch keine gute Arbeit macht. 70 % der rund 10.500 befragten Europäer mutmaßen, dass ein Brexit übel für die Europäische Union wäre. Nur 16 % halten das Verlassen der Briten für eine gute Sache.

Vornehmlich die Schweden und die Niederländer machen sich über einen eventuellen Brexit Sorgen, fürchten sie doch, mit den Engländern einen wesentlichen Partner in europäischen Themen zu verlieren. Aber auch 75 Prozent der Deutschen wollen die Engländer lieber weiter dabei haben. Nur in Frankreich glaubt ein Drittel der Einwohner, ein Brexit wäre eine gute Sache.