Morningstar: Staatsanleihen sind nun eine riskante Anlage


Finanz Redaktion

Staatsanleihen sind eine riskante Anlage, schreibt Eric Jacobson von Morningstar in einem aktuellen Bericht. Da die Renditen dieser Anlageklasse inzwischen negativ seien, handle es sich dabei nicht mehr um ein attraktives Investment. Berücksichtigt man neben der offiziellen Inflationsrate auch alternativ errechnete Teuerungsraten, verliert eine Investition in Treasuries in Anbetracht des derzeitigen Risikos wohl völlig ihren Reiz.

Die Gefahren bei einer Investition in sogenannte Treasuries seien derzeit noch nicht offensichtlich, sagt Eric Jacobson, Direktor des Fixed-Income Research beim NASDAQ-notierten Analyseunternehmen Morningstar. Die Inflation fresse jedoch die Rendite vollständig auf. Man müsse die Rendite dieser Papiere von den Treasury Inflation-Protected Securities (TIPS), also der erwarteten Inflationsrate in diesem Zeitraum, abziehen, um die reale Rendite zu erhalten, und diese sei derzeit negativ. „Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen liegt bei 2,06%,die 10-jährige Inflationserwartung liegt bei 2,33%, wodurch sich eine reale Rendite von Minus 0,27% ergibt“, schrieb Jacobson in einem Bericht. Treasuries seien nun eine „riskante Anlage“.

„Wenn sich diese Erwartung als korrekt erweist, dann werden die Anleger 10-jähriger Treasuries negative Renditen einfahren“, fügte er hinzu. „Dies ist kein attraktives Investment, weshalb immer mehr Fondsmanager derzeit von einer Investition in Staatsanleihen zurückschrecken.“ Er betonte, dass die meisten Fondsmanager mit einer Inflation von 2 bis 3% rechneten.

Der Star-Fondsmanager Bill Gross von PIMCO ist ebenfalls vorsichtig gegenüber Staatsanleihen und trennt sich nach und nach von seinen Beständen. Im März hatte er bereits den zweiten Monat in Folge Treasuries abgestoßen – insgesamt hat er die Bestände inzwischen um 32% reduziert.

Die niedrigen Renditen auf US-Treasuries sind in Anbetracht des hohen Risikos und dem hohen Kaufkraftverlust des Dollars, der seitens alternativer Berechnungen sogar mit 6% p.a. angegeben wird, wohl nicht mehr gerechtfertigt. Neil Barofsky, der Sondergeneralinspekteur für das TARP-Bankenrettungspaket, bezifferte die Gesamtverbindlichkeiten der US-Regierung auf 23,7 Billionen Dollar. Andere Experten gehen sogar von 80 bis 90 Billionen Dollar aus.

2011 wurde die Kreditwürdigkeit der US-Regierung das erste Mal in der Geschichte heruntergestuft. Haupteigner von US-Anleihen ist inzwischen die US-Notenbank, die Billionen Dollars aus dem Nichts erzeugt, um die US-Regierung mit Finanzmitteln zu versorgen.