Nach US-Luftschlag: Neuer Stellvertreterkrieg in Syrien?


Amerika/Naher Osten/Russland Redaktion

Die Bombardierung eines Militärlagers der syrischen Streitmacht durch US-Militärjets hat die Verstimmungen zwischen Washington und Moskau verschlechtert – nach US-Informationen ein Versehen, da man vermutet hatte, dass es sich um Positionen der als terroristisch eingestuften Organisation IS gehandelt habe.

Die türkische Gazette AKSAM hält das Argument für zweifelhaft: „Es gibt lediglich zwei Möglichkeiten: Entweder hat irgendwer den US-kontrollierten Bündnistruppen absichtlich falsche Infos gegeben oder die Vereinigten Staaten wollten damit gegen das Assad-Regime ein Exempel statuieren. Denn der Einfluss Amerikas in Syrien zerschmilzt immer mehr.

Die von den Vereinigten Staaten unterstützte kurdische YPG ist gestoppt und die ‚gemäßigte Opposition‘ unterwirft sich ihnen nicht mehr. Zusätzlich ist die Türkei im Norden eingefallen. Sollte der Schlag trotzdem ein Versehen gewesen sein, werden die Amerikaner Zugeständnisse machen“, vermutet die Gazette AKSAM, die in Istanbul erscheint.

„Man kann spekulieren, dass die Amerikaner das Übereinkommen mit den Russen behindern wollen“, glaubt die panarabische Gazette RAIA AL-YOUM, die in London erscheint: „Eine Zerstörung der Fatah al-Scham-Truppen würde die komplette Opposition besiegen – und das könnten die Amerikaner am Ende möglicherweise doch nicht wollen.

Dies auch deshalb, da sie sich ihren bisherigen Partnern aus der Opposition außerordentlich abgekapselt haben. Zusätzlich ist es unmöglich, zwischen Islamisten und außergewöhnlichen Kräften zu differenzieren. Womöglich auch in Übereinkunft mit ihren Partnern aus den Golfstaaten könnten die Amerikaner darum bemüht sein, die Übereinkunft missglücken zu lassen.

Das aber würde bedeuten, dass die Streitereien in einen Stellvertreterkrieg zusammenlaufen würden, der sich noch weiter entfalten könnte“, fürchtet die panarabische Gazette RAIA AL-YOUM.