Jim Rogers: ‘Goldblase vielleicht in zehn Jahren’

07. März 2012

Der US-amerikanische Hedgefondsmanager und Schriftsteller Jim Rogers verriet im Interview mit dem Business Insider, wie er die Entwicklungen am Rohstoff-Markt einschätzt, sowie die Situation im Öl-Handel und beim Lieblingsedelmetall der Menschen: Gold. Der Rohstoff-Guru über den Iran und eine irgendwann anrollende Goldblase.

Was befeuert derzeit den Ölpreis?

Der Iran ist sicherlich eine Sache, aber eine andere Sache ist das Problem mit der Infrastruktur in den USA. Wir haben Öl, doch befindet es sich an den falschen Stellen. An der Ostküste wird importiertes Öl verwendet und importiertes Öl ist teurer, etwa wegen dem Iran. Und es kommt aus Europa. Die Nordseeproduktion ist rückläufig. Es gibt Angebots- und Nachfrage-Gründe, weshalb die Ölpreise in vielen Teilen der Welt hoch sind. Und bekannte Ölvorkommen neigen sich weltweit dem Ende. Die Internationale Energieagentur der OECD (IEA) hat sogar verkündet, dass sich die den Menschen bekannten Reserven in einem stetigen Rückgang befinden und wir in ein oder zwei Jahrzehnten ein gigantisches Problem bekommen werden, es sei denn, jemand findet sehr schnell große Mengen Öl. Auf kürzere Sicht werden jedoch die Infrastruktur und die Situation im Iran maßgeblich sein.

Auf welcher Ebene glauben Sie, werden die Ölpreise der Erholung der USA das Rückgrat brechen?

Es wird eine Verlangsamung geben. So ist die exorbitante Verschuldung, die Amerika mehr und mehr angehäuft hat, ein Problem für unsere Wirtschaft. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass wir alle vier bis sechs Jahre einen wirtschaftlichen Rückgang in den USA erleben, also sind wir bis 2012, 2013, 2014 was eine Konjunkturabschwächung angeht aus welchen Gründen auch immer längst überfällig. Ob dies dann letztendlich durch den hohen Ölpreis oder was auch immer verursacht wird, jedenfalls wird es in absehbarer Zeit eine Verlangsamung geben.

Wie sehen Sie die Auswirkungen der hohen Ölpreise auf die Verbraucher in den “Emerging Markets”, insbesondere in Asien, wo versucht wird die Inflation zu zügeln und das Wachstum anzutreiben?

Jeder zahlt die höheren Preise für Öl und der offensichtliche Einfluss auf die Verbraucher findet sich überall, nicht nur beim Öl, sondern auch bei Nahrungsmitteln und allen anderen Gütern. Die US-Regierung lügt, was die Inflation angeht, doch sieht man die Inflation überall. Ich meine, ich weiß nicht ob Sie auch einkaufen gehen, aber wenn Sie es tun, dann sehen Sie ja, dass die Preise steigen. Die Regierung sagt, dass dies nicht der Fall ist, aber schließlich weiß ich auch nicht, wo die einkaufen. Die Preise, die wir sehen, die steigen jedenfalls allesamt.

Wenn Sie in nur einen Rohstoff investieren könnten, welcher wäre das?

Ich denke, dies wäre ein Agrarrohstoff. Es hinge davon ab, welcher gerade am billigsten ist, aber es wäre auf jeden Fall ein Agrarrohstoff, so viel kann ich Ihnen sicher sagen.

Sie sagten zu Beginn dieses Jahres, dass wenn Gold auf 1’600 Dollar fallen würde, dass Sie daran Interesse hätten nachzukaufen. Werden Sie nachkaufen?

Sicherlich beobachte ich den Markt im Moment und wenn Gold unter 1’600 Dollar fällt, bin ich sicher, dass ich nachkaufen werde. Wenn es unter die 1’200 fällt, dann bin ich hoffentlich clever genug, noch viel mehr davon zu kaufen. Gold steigt nun das 11. Jahr in Folge, was sehr ungewöhnlich ist für eine Anlageklasse. Also würde es mich nicht wundern, wenn Gold im Jahr 2012 ein wenig korrigiert. Verkaufen werde ich jedoch nichts. Ich habe nichts verkauft und ich werde auch nichts verkaufen. Eines Tages wird es eine Goldblase geben, vielleicht in zehn Jahren, ich weiß nicht in wie vielen Jahren genau. Ich hoffe jedoch, dass ich dann clever genug bin zu verkaufen, wenn die Blase kommt.


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