Griechenland: Der Horror geht weiter, trotz Schuldenschnitt

„Wir schulden es unseren Kindern und Enkeln, sie von der Last dieser Schuld zu befreien“, sagte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos in Zusammenhang mit dem jüngsten Schuldenschnitt von 72% bei Privatinvestoren. Von „befreien“ kann aber keine Rede sein, denn den Erwartungen zufolge dürfte sich der Horror in Griechenland trotz Schuldenschnitt weiter fortsetzen. Einige Zahlen.


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Im August des vergangenen Jahres blieb es in der griechischen Hauptstadt Athen noch in 24,4% der Unternehmen dunkel, heute haben sogar 29,6% der Betriebe in Athen die Arbeit eingestellt. In Piräus sind es 27,3%, eine Erhöhung um 10% allein in diesem Monat. In der Region Attika 25,6%. Im vierten Quartal 2011 ist das BIP des krisengeschüttelten Landes um weitere 7,5% eingebrochen. Seit 2008 ist die griechische Wirtschaft um 20% geschrumpft.

Die Jugendarbeitslosigkeit stieg auf schockierende 51,1%, doppelt so hoch wie vor der Krise. 1’033’507 Menschen sind arbeitslos, ein absoluter Rekord und 41% mehr als im Vorjahr. 3’899’319 Menschen haben einen Arbeitsplatz, lediglich 36,1% der Gesamtbevölkerung. Zum Vergleich: Sogar in den USA haben immerhin  58,6% der Bürger einen Arbeitsplatz, im Jahr 2000 waren sogar 64,7% in Lohn und Brot.

Das griechische Defizit betrug 2011 trotz aller Sparmaßnahmen 24,9 Milliarden Euro oder 11,5% des BIP. So ist etwa das öffentliche Gesundheitswesen de facto bankrott und sitzt auf offenen Rechnungen von 5,73 Milliarden Euro.

Ein kleiner Lichtblick: Die Tourismusbranche konnte im Jahr 2011 gegenüber dem Vorjahr einen beachtlichen Zuwachs von 9,5% verzeichnen.  Grund war wohl der „Arabische Frühling“ in Ägypten und Tunesien, der viele Urlauber nach Griechenland lockte. Da die Bilder in Griechenland jedoch immer mehr denen in Ägypten und Tunesien ähneln, ist der Tourismus in diesem Jahr bereits um 6,7% zurückgegangen, allein in Athen um 10,7%. So wird aller Wahrscheinlichkeit nach mit steigender, berechtigter Wut des griechischen Volkes wohl auch diese Branche weiter einknicken. Echte Horrorzahlen.

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