Gefahr einer „unkoordinierten globalen Geldschwemme“

Mit Geld kann man zwar weder Gesundheit noch Glück kaufen, doch kann es dabei helfen, die Schmerzen zu lindern und den Tod etwas hinauszuzögern. Aus diesem Grund wird die Europäische Zentralbank wohl am Mittwoch beschließen, den großen Schmerz der Währungsunion mit noch mehr frisch gedrucktem Geld zu lindern.


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Die EZB wird den Banken nun wohl eine weitere Runde an billigen Drei-Jahres-Darlehen spendieren. Im Gespräch sind offenbar 492 Milliarden Euro. Bereits kurz vor Weihnachten hatte die EZB günstige Darlehen in Höhe von 489 Milliarden Euro ausgegeben.

„Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul“, wie der von Reuters befragte Riccardo Barbieri, Ökonom bei Mizuho International in London, feststellte. „Ich erwarte nicht, dass dieser Vorgang alle Probleme lösen kann, aber hoffentlich kommen wir so um den schlimmsten Punkt der Krise herum.“ Bislang konnte die unglaubliche Liquidität, die von westlichen Zentralbanken in enormem Umfang in die Banken gepumpt wurde und wird, in der Realwirtschaft nichts bewirken. „Es wäre enttäuschend, wenn wir keinen positiven Effekt sehen, aber es wird einige Zeit dauern, bis diese Effekte in den Statistiken zu sehen sind“, fügte Barbieri hinzu.

Die EZB, das FED und die Bank of England haben ihre Bilanzen seit Mitte 2007 auf fast 8 Billionen Dollar verdreifacht, wie Paul Schulte von der China Construction Bank International in Hong Kong bekannt gab. Das von der EZB in den Markt gespülte Geld wirke zwar der Gefahr eines Einbruchs der Kreditvergabe entgegen, so Schulte, doch bestehe dadurch die Gefahr einer „unkoordinierten globalen Geldschwemme“.

Was Europa angeht, sagte Nikolaus Spiro von Spiro Sovereign Strategy, einer Londoner Investmentberatung, sei es nicht auszudenken, in welchem ​​Zustand sich die Märkte befänden ohne die bisherigen Aktionen der EZB. Aber auch er hat Vorbehalte: Die durch die enorme Liquidität verursachten Schwankungen stünden in starkem Kontrast zu den wirtschaftlichen Fundamentaldaten Spaniens und Italiens. „Die Eurokrise befindet sich in der Schwebe und ist keineswegs gelöst. Die Anleger sind gut beraten, vorsichtig zu sein“, sagte er.

Einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage zufolge sind die deutschen Bürger mit überwältigender Mehrheit gegen weitere Hilfen für Griechenland. Die vom Emnid-Institut durchgeführte Umfrage hatte ergeben, dass sich 62% der Deutschen gegen das jüngste Rettungspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro ausgesprochen hatten. Im September vergangenen Jahres hatte eine ähnliche Umfrage des Instituts ergeben, dass sich 53% der Bevölkerung gegen eine Rettung Griechenlands aussprachen. Demzufolge verliert die deutsche Bundesregierung offenbar dramatisch an Unterstützung aus der eigenen Bevölkerung.

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