Euro und EU-Beitritt: Island will die Krone aufgeben

Island wird entweder der Europäischen Union beitreten und den Euro einführen, oder irgendeine andere Währung zum offiziellen Zahlungsmittel erklären. Die aktuelle Situation könne jedenfalls nicht unverändert bleiben, sagte Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir. Das Land leidet immer wieder unter extrem hohen Teuerungsraten.


Werbung

„Wir haben die Wahl zwischen der Übergabe der geldpolitischen Souveränität Islands durch die einseitige Übernahme der Währung eines anderen Landes, oder wir werden Mitglied der EU und bekommen den Euro“, sagte die isländische Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir während einer Rede auf einer Veranstaltung der Sozialdemokratischen Allianz in der isländischen Hauptstadt Reykjavik. Die EU-Mitgliedschaft würde es Island ermöglichen, „mit EU-Ländern als souveräne Nation zu kooperieren, die bei Entscheidungen und Politik in allen Bereichen der Zusammenarbeit ein Mitspracherecht hat.“

Island hat im Juli 2010 erstmals EU-Beitrittsgespräche geführt und wird darüber voraussichtlich Anfang 2013 abstimmen. Von den insgesamt 35 Verhandlungskapiteln für einen Beitritt zur EU hat Island gemäß EU-Kommissar Stefan Füle bereits elf eröffnet und acht abgeschlossen. Die primären Schwerpunkte der Gespräche beziehen sich aktuell auf die isländische Landwirtschaft, Umwelt und Fischerei.

Eine Gallup-Umfrage hatte vergangenen Monat ergeben, dass nur etwa ein Viertel der isländischen Bürger den Beitritt zur EU unterstützen (26,3%). 56,2% aller Befragten hatten den Beitritt zu Europäischen Union abgelehnt. Die Regierung erwägt dennoch, die Isländische Krone an den Euro zu binden. Dies solle spätestens bis zur Mitte des nächsten Wahlperiode im Jahr 2015 erfolgen, so Sigurdardottir.

Die Wirtschaft Islands ist stark von der Fischerei und damit verbundenen Industrien abhängig, was 60% der Exporte ausmacht. Seit der Finanzkrise ab dem Jahr 2007 hat Island mit hohen Teuerungsraten zu kämpfen. Anfang Dezember 2008 lag sie bei 17%, 2009 bei 12%. Laut Angaben des IWF konnten sich die Teuerungsraten bis heute jedoch auf 3% erholen.

Das könnte auch interessant sein...