Euro: Teuerung nach der Einführung 2002


Deutschland/Euro Redaktion

In der Bundesrepublik war die Gefühlslage bereits vor Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung ausgesprochen kritisch gegenüber dem neuen Zahlungsmittel.

Eine im März 1992, demzufolge kurz nach der Inkraftsetzung des Maastricht-Vertrags, der u.a. auch die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung konstatierte, ausgeführte Umfrage ergab, dass 42 Prozent den Kontrakt ablehnten, wenngleich zwischen Deutschlands Osten und Westen kein wesentlicher Unterschied festzustellen war.

Eine weitere Analyse aus dem Januar 1992 zeigte auch eine große Ungläubigkeit gegenüber der Beständigkeit des Zahlungsmittels. So waren 62 Prozent der Ansicht, die kommende Währung lasse sich nicht wertbeständig halten. Unter Chefetagen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung war diese Ansicht sogar zu 69 Prozent populär.

Die skeptische Gesinnung war auch im Moment der Einführung des Bargelds allgegenwärtig. Nach einer Untersuchung des Newsblatts Focus unter 2004 Deutschen im Jahr 2001 waren 56,4 Prozent der Umfrageteilnehmer gegen das neue Zahlungsmittel. 65 Prozent der Frauen waren gegen die europäische Gemeinschaftswährung, die Männer nur zu 45 Prozent.

Im Osten Deutschlands waren etwa 70 Prozent für den Fortbestand der Mark. Nach Berufsgruppen extrahiert waren Staatsbedienstete und Gewerbetreibende zu 54 Prozent für Europas Währung, Arbeiter und Ruheständler jedoch in zwei Dritteln der Fälle dagegen.

Lediglich in Schweden, Finnland, Dänemark und Großbritannien waren die Menschen ablehnender zum Euro eingestellt. Dieselbe Analyse kam darüber hinaus zum Ergebnis, dass eine große Mehrheit annahm, die Konzerne würden die Währungsreform für Teuerungen nutzen.

Die dereinstige Regierung in Berlin proklamierte schon vor der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung, keiner müsse durch die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung mehr bezahlen als im Vorfeld. Bereits frühzeitig nach der Einführung des Bargelds wurde in der Presse über das neue Zahlungsmittel als Treiber des Preises gemeldet.

»Teuro-Denkzettel-Aktion«

Das Newsblatt Focus führte im Frühling 2002 eine so betitelte »Teuro-Denkzettel-Aktion« durch, bei der die Leser dazu angehalten wurden, Musterfälle für ausgesprochene Teuerungen zuzusenden. Mehr als 600 Nachrichten wurden eingesendet.

Bald war klar, dass die wahrgenommene stärkere Teuerung in Deutschland eines der höchsten Ausmaße in ganz Europa hatte. Lediglich in den Niederlanden war die Empfindung gleichermaßen stark populär.

Deutschlands Finanzminister Hans Eichel rief im Frühling 2002 zu einem Boykott auf. Deutschlands Ministerin für Verbraucherschutz Renate Künast organisierte einen »Anti-Teuro-Gipfel« und Kanzler Schröder formulierte es genauso.

Die Diskussion war begleitet von Beschwerden unterschiedlicher Sparten über die mühsame Lage, vor allen Dingen über Umsatzrückgänge und Zurückhaltung des Verbrauchs. In der Taxisparte wurde von 15 bis 30 Prozent Rückgang des Umsatzes gemeldet. Im Sektor der Elektrotechnik sanken die Umsätze um 10 Prozent, bei Möbeln und Schuhen um 7 Prozent.

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