Erhielt Griechenland Finanzhilfen gegen Waffendeals?


Europa Redaktion

Im März hatten sich deutsche Zeitungen noch über Waffenkäufe Griechenlands empört und die griechische Regierung dafür massiv kritisiert. Der britische Guardian glaubt jedoch, dass Griechenland im Gegenzug für Finanzhilfen gezwungen worden sein könnte, mehr Waffen als benötigt von Deutschland und Frankreich einzukaufen.

Deutschland liefert als größter Waffenmarkt Europas rund 15% der Waffenimporte Griechenlands. Im Januar hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem französischen Präsident Nicolas Sarkozy in Berlin gesagt: „Wir müssen Fortschritte bei der freiwilligen Umstrukturierung der griechischen Schulden sehen.“ Merkel und Sarkozy hatten beide darauf bestanden, einen europäischen Fiskalpakt zu focieren und härtere Strafen für Länder einzuführen, die die Budgetregeln der Eurozone verletzten.

In deutschen Zeitungen (bsp. hier, hier oder hier) wurde im März darüber berichtet, dass Griechenland „trotz Krise einfach einkaufen geht“ und Waffen für eine Milliarden Euro hauptsächlich von Frankreich kaufte. Laut einem Bericht des britischen Guardian gibt es jedoch zahlreiche Hinweise darauf, dass Deutschland und Frankreich nur Finanzhilfen an Griechenland geleistet haben, wenn Griechenland im Gegenzug dazu bereit ist, riesigen Waffendeals mit Deutschland und Frankreich zuzustimmen.

Griechenlands stellvertretender Ministerpräsident Theodore Pangalos hatte im Mai 2010 während eines Besuchs des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan bedauert, dass Athen so viel Geld für Waffen ausgebe. Er hatte damals sagte, das Land werde „gezwungen, Waffen zu kaufen“, und dass dies eine „nationale Schande“ sei. Thanos Dokos, einer der führenden griechischen Militärexperten hatte betont, dass das Land mehr als 1300 Panzer besitze, mehr als doppelt so viel wie das Vereinigte Königreich und weit mehr als notwendig.