Brexit: Geht es dem Euro an den Kragen?

Ein Austritt Großbritanniens aus der EU könnte auch das letzte Aufbäumen des Euro sein. Investoren sollten sich mit Sachwerten positionieren. Der 23. Juni wird nicht nur für die EU, sondern auch für den Euro zur Feuertaufe.


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Wenn die Engländer überwiegend für den Ausstieg aus der Europäischen Union stimmen, kann das rasch Nachahmer finden. Ein Kandidat wäre Österreich, wo gerade die politisch rechte FPÖ versucht, das Amt des Präsidenten zu bekommen. Auch unterschiedliche osteuropäische Staaten und nicht zuletzt Griechenland sind Risikofaktoren. Zwar gehören Großbritannien oder Ungarn nicht der Eurozone an. Sollte die EU aber zerbrechen, würde dies nahezu unabwendbar auch eine geänderte Zusammensetzung der europäischen Währungsunion mit sich bringen.

Vermutlich stünde am Ende das Aus für den Euro. Es wäre zur gleichen Zeit wohl der Anfang neuer Währungen. Ursachen für eine Währungsumstellung sind im Großen und Ganzen politische Gründe und/oder eine extrem hohe Teuerungsrate sowie eine kräftig sich erhöhende Verschuldung des Staats. Von einer heftigen Inflation kann momentan beinahe nicht die Rede sein – auch wenn die Preise für Vermögen, also für Anteilscheine, Immobilien und zuletzt für Gold, deutlich gewachsen sind.

Politische Scherereien sind im Gegensatz dazu eindeutig und die Darlehen der Staatshaushalte nehmen auf dem europäischen Kontinent weiter zu. Sie werden sicher irgendwann wieder zu einem bestimmenden Thema an den Börsen werden. Eine Währungsumstellung ist faktisch nichts Außergewöhnliches – in erster Linie die Deutschen besitzen ausgedehnte Erfahrungen damit.

Bei der Währungsreform von 1871 bis 1873 ging es hauptsächlich darum, die Währungseinheiten Taler, Gulden, Kreuzer und Groschen anzugleichen. Im Jahr 1924 löste dann die Rentenmark die Mark ab. Der Wechselkurs lag bei 1 zu 1 Billion. Diese Vorkehrung stoppte zunächst die vorherige Hyperinflation. Und der Tauschkurs zum Dollar erzielte wieder das Niveau von 1914. Am 20. Juni 1948 ersetzte letztlich die Deutsche Mark in den drei westlichen Zonen die Reichsmark.

Über Nacht füllten sich die Auslagen in den Läden, da die Menschen der neuen Währung wieder einen echten Wert einräumten. Drei Tage danach wurden nebenbei bemerkt die Reichmarkbestände in der Sowjetischen Besatzungszone mit Klebemarken markiert. Dadurch sollte ein Inflationsschub durch das Überlaufen von nun im Westen „wertlosen“ Reichsmark nach Ostdeutschland abgewendet werden. Die Installation der Deutschen Mark in Ostdeutschland kam erst 42 Jahre danach. Bei einer Währungsumstellung bieten Immobilien, Anteilscheine und Gold den besten Schutz.

Immobilieneigentum lässt sich momentan zusätzlich durch die geringen Zinsen so günstig wie nie finanzieren. Die Erfahrungen zeigen allerdings, dass Betongold bei einer Währungsreform mit gewissen Risiken verbunden ist. 1948 wurden die Hypothekendarlehen im Verhältnis 1 zu 1 umgestellt, wenngleich es für zehn alte Reichsmark nur eine neue D-Mark gab. Zwar mussten die alten Gläubiger nur mit zehn % bedient werden, das Finanzamt allerdings mit 90 %.

Dazu kam der sogenannte Lastenausgleich, also die 50-prozentige Vermögensabgabe auch auf Immobilien, die der Finanzierung der Zerstörungen im Krieg diente. Aktieninvestoren kamen 1948 besser davon. Zwar verloren die Kurse nominal bei der Währungsumstellung wie die Währung selbst durchschnittlich 90 % an Wert. Zum Beispiel kostete eine Siemens-Aktie vor der Umstellung auf dem Schwarzmarkt 137 Reichsmark, der erste D-Mark-Kurs notierte bei 12,75.

Doch war der Geldwert der neuen Währung auch um Längen höher. Real blieb der Wert von Anteilscheine im Großen und Ganzen gleich. Desweiteren stiegen die Aktienkurse in den Jahren nach der Währungsumstellung schwungvoll an. Zuletzt sind Dividendentitel im Gegensatz dazu wegen des eventuellen Austritt Großbritanniens aus der EU in Bedrängnis geraten und könnten dadurch schon bald eine schöne Einstiegsgelegenheit bieten. Einen klassisch großen Schutz und eine hohe Liquidität bietet in finanziellen Krisenzeiten auch Gold.

Im 20. Jahrhundert konnten die Deutschen eigentlich immer für beispielsweise ein Gramm Gold annähernd dieselbe Menge an Nahrungsmitteln erwerben. Doch hat der Staat Gold auch zwischenzeitig beschlagnahmt oder untersagt. Bei Silber gab es derartige Eingriffe bisher interessanterweise noch nie. Schuldverschreibungen und Cash sind bei Währungsumstellungen im Gegensatz dazu immer die großen Verlierer.

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