Bayer erhöht Monsanto-Angebot auf 65 Milliarden Dollar

Die Chemieindustrie organisiert sich global neu, auch die Deutschen wollen dabei vorne mit dabei sein. Neben dem Pharmabusiness bekräftigt in erster Linie die Landwirtschaftschemie kräftige Gewinne.


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Bayer möchte mit dem Erwerb des US-Saatgutriesen Monsanto mit einem Rutsch zum größten Produzenten der Welt von Pflanzgut und Pestiziden werden. Für den Erwerb möchte Bayer so viel bezahlen wie kein anderes deutsches Unternehmen vorher. In den frühen Morgenstunden des Dienstag wurde das bereits zuvor schon großzügige Angebot für den viel diskutierten US-Konzern ein weiteres mal erhöht: Statt 125 Dollar möchte Bayer nun 127,50 Dollar je Aktie bezahlen – aber nur „unter der Basis einer freundlichen Übernahme“. Die Offerte würde sich so von rund 64 auf 64,8 Mrd. Dollar (58 Mrd. Euro) erhöhen.

Die Begründung: Laut Vermutungen steigt die Anzahl der Menschen auf unserem Planeten bis 2050 um etwa drei auf zehn Mrd. – zur gleichen Zeit schrumpft die nutzbare Fläche. Der Markt bekräftigt trotz der letzten Rückgänge auf lange Sicht demnach Wachstum. Monsanto nehme dies unter die Lupe, wie auch Ideen weiterer Parteien und weitere Möglichkeiten.

Nach der zweifachen Zurückweisung durch Monsanto bei der von Bayer Mitte Juli auf etwa 64 Mrd. Dollar inkrementierten Gesamtmenge bleibt der Großdeal weiter im Ungewissen. Laut „Rheinischer Post“ wird der Bayer-Vorstand am 14. September über den Status der Besprechungen und die nächsten Phasen beraten. Die privilegierte Antwort für Bayer-Boss Werner Baumann bleibt ein freundlicher Verbund.

In dieser Hinsicht sind sich die Entscheidungsträger aus beiden Lagern einig. Sowohl Baumann als auch Monsanto-Boss Hugh Grant hatten die die Industrie betreffende Logik eines Zusammenschlusses wiederholt versichert und sich generell auch immer aufgeschlossen gezeigt. Sind sich die Entscheidungsträger einig, fallen auch die Widerstände in der Arbeitnehmerschaft häufig kleiner aus.#

Eine freundliche Akquisition ist im Großen und Ganzen auch etwas günstiger als der feindliche Griff nach einem Unternehmen. Die Kosten einer Verteidigungsschlacht unterbleiben. Bayer könnte eine Defensive des Monsanto-Managements mit einer geradlinigen Ansage der Shareholder umgehen. Das gerade Gebot soll die Shareholder dazu bewegen, das eigene Direktorium zu bearbeiten und die Anteilscheine zu veräußern.

Dafür muss das Gebot aber äußerst reizvoll ausfallen. Für DZ-Bank-Analyst Peter Spengler ist eine feindliche Akquisition die „wahrscheinlichste Option“, da der Bayer-Vorsitz nicht Hohn und Spott ernten wolle. Die neueste Erhöhung sei ein finaler Vorstoß, bevor Baumann den Vorstand um Zustimmung für den feindlichen Zug bitte. Ob es letztendlich aber genug sein würde, ist unklar. Der Monsanto-Boss könnte einen weiteren Abnehmer finden.

Grant hatte zum Schluss versichert, dass es außer Bayer auch Diskussionen mit weiteren Parteien gebe. Der Chemieriese BASF gab sich verschlossen: „Ich denke, wir haben das recht merklich gemacht, dass unser Pflanzenschutzgeschäft nicht zum Verkauf steht“, äußerte Vorstand Kurt Bock Ende Juli. Beim Schweizer Syngenta-Konzern war Grant bereits im letzten Jahr zurückgewiesen worden. Diesen möchte nun der chinesische Staatsbetrieb ChemChina schlucken.

Außerdem diskutieren Dow Chemical und Dupont seit Ende des Jahres 2015 über einen Verbund. Nach der Verschmelzung soll der neue US-Riese in drei Unternehmen für Landwirtschaftschemikalien, Kunststoffe und Sonderchemikalien zersplittert werden. Für die Bayer-Anleger wäre das Ende der Kaufkonzepte aus der Perspektive von DZ-Bank-Spezialist Spengler die „beste Option“.

Auch der Bayer-Börsenkurs dürfte in einer ersten Antwort ruckartig steigen. Denn die vorausgesagte Erhöhung der Geldmittel Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Riesenerwerbs entfiele. Neue Mittel könnte Bayer dann etwa in sein Pharmabusiness stecken. Dieses gilt bei manchen Experten – bei freilich größeren Gefahren – sowieso als merklich lohnender als das Geschäft mit Pflanzgut, Unkrautbekämpfungsmittel und Unkrautvernichter. Für Baumann wäre der Rückzieher aber ein Misserfolg: Sofort zu Anfang seiner erst seit Mai dauernden Regentschaft würde sein fundamentalstes Vorhaben Schiffbruch erleiden.

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